Gefangenschaft

Gefangenschaft

Die Umstände

Die Gefangenschaft der königlichen Familie begann in einer angespannten Atmosphäre, als der Zorn des Volkes kochte. Ein harter Winter hatten Hungersnöte über das Land gebracht und die Wut der Bevölkerung spitze sich so weit zu, dass am 5. und 6. Oktober 1789 über Eintausend Frauen, aber auch als Frauen verkleidete Männer, nach Versailles zogen, um zu demonstrieren. Jedoch schaukelte sich die Stimmung so hoch, dass der Zug, als er Versailles erreichte, die Königin töten wollte. Einige bewaffnete Menschen drangen in den Palast und töteten Diener auf der Suche nach Marie Antoinette. Die Königin konnte sich vor den Übergriffen schützen und fand sich schließlich auf dem Balkon vor einer wütenden Meute wieder. Durch einen Knicks konnte sie die Menschen tatsächlich besänftigen und weitere Ausschreitungen verhindern.

 

Der Umzug

Dieses Ereignis, das als Marktweiberzug oder Poissarden bekannt wurde, führte dazu, dass die königliche Familie, sprich Louis XVI., Marie Antoinette, Louis Charles, Marie Thérèse und Madame Elisabeth nach Paris in die Tuilierien umzogen. Dort lebten sie nun unter Bewachung, während Axel von Fersen die Familie besuchte, welcher mit der Königin 1791 die Flucht von Varennes plante.

 

In den Tuilerien

Noch in den Tuilerien versuchte Marie Antoinette die politischen Zügel in den Hand zu nehmen, da ihr Gatte Louis mit den Revolutionären kooperierte und somit das Königspaar bald entmachten sollte. Die Königin korrespondierte mit den ausländischen Mächten, während sie den Revolutionären Wohlwollen vorspielte. Schließlich machte sie sich des Hochverrats schuldig, als sie dem Ausland die Kriegspläne der Republik zuspielte.

 

Im Temple

Nach der missglückten Flucht wurde die königliche Familie erneut in die Tuilerien gebracht. Nach dem blutigen Aufstand am 10. August, genannt Tuileriensturm, wurden sie in den Temple umgesiedelt, eine ehemalige Festung des Templerorden.

 

Überführung in den Temple

Dort war die königliche Familie zwar gefangen, aber lebten dennoch relativ komfortabel. Kurz nach ihrem Einzug in den Temple, am 3. September 1792, wurde die Königin erschüttert als ein aufgebrachter Mob vor das Gebäude stürmte. Als Marie Antoinette sich der Meute zu wandte, ereilte sie die Ohnmacht, denn die Menschen hatten zuvor ihre Vertraute Princesse de Lamballe umgebracht sowie zerstückelt und im Anschluss ihre Gliedmaßen mit Piksen durchbohrt, um sie Marie Antoinette zu präsentieren.

Schließlich begann am 11. Dezember 1792 der Prozess gegen Louis, der ihm unter anderem die Königswürde aberkannten und ihn somit zu Louis Capet machten. Noch während des Verfahrens wurde er von seiner Familie getrennt und dann mit knapper Mehrheit für schuldig befunden. Die Guillotine beendete am 21. Januar 1793 das Leben des Königs und machte Marie Antoinette zur Witwe Capet.

 

Marie Antoinette in der Conciergerie

Fast ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod ihrer Freundin, am 3. Juli 1793, wurde die Königin tränenreich von ihrem Sohn getrennt, welcher den Rest seines kurzen Lebens von Revolutionären umerzogen wurde. Dennoch konnte sie ihn durch ein kleines Fenster beobachten, wenn er im Innenhof auf- und ablief und die neu gelernten Revolutionslieder sang. Am 1. August desselben Jahres wurde Marie Antoinette von ihrer Tochter Marie Thérèse und ihrer Schwägerin Madame Élisabeth getrennt und in die Conciergerie gebracht.

Dort kam sie in einer kleinen, schäbigen Zelle und stand immer von zwei Wächtern unter Beobachtung. Selbst ihr Toilettengang musste sie vor den Augen anderer nachgehen. Nach dem gescheiterten Nelkenkomplott im August begann der Prozess gegen Marie Antoinette. Man sagt, dass die Verhandlungen so gelegt wurden, dass sie mit der Periode der Königin synchron verlief, da diese stets starken Schmerzen begleitet war.

 

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