Der schwedische Graf und die französische Königin

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Diese Inschrift hatte ein Ring, den der Graf der Königin schenkte.

 
 
Vorwort

Ich möchte zunächst betonen, dass dieser Teil, auch wenn er sich auf diverse Quellen bezieht, natürlich besonders der subjektiven Wahrnehmung unterliegt. Ich persönlich gehe davon aus, dass die beiden einander liebten – jedoch letztendlich kann man das nicht mehr zur Gänze nachweisen. Zwar lässt sich über die genauen Gefühle der beiden für einander debattieren, zweifelsohne hegten sie aber eine tiefe Freundschaft.

Dennoch, dass Marie Antoinette und schwedische Graf Axel von Fersen sich einander mehr als nur gewogen waren, lassen zahlreiche Indizien vermuten. Sie selbst schrieb in einen Brief an ihn, dass sie ihn liebe. Da sich meine Erkenntnisse zu den damaligen Schreibgeflogenheiten allerdings beschränken, will ich nicht ausschließen, dass dies eine übliche Floskel war. Mir ist allerdings nicht bekannt, dass sie das einen anderen Mann (außerhalb der Verwandtschaft) geschrieben hat. In Anbetracht, dass Fersen während der französischen Revolution als eine der meist gesuchtesten Männern nach Frankreichs und zur königlichen Familie kehrte und die Königin in vertrauter Atmosphäre besuchte, deutet sehr auf solche Empfindungen.

In einen Brief an seine Schwester gestand der Graf nie zu heiraten und begründete dies damit, dass er Marie Antoinette nicht zur Frau nehmen könne. Obwohl Fersen zahlreiche Liebschaften unterhielt, schien sein Herz immer der Königin zu gehören.

 

Der schwedische Graf und die französische Dauphine

Die Beiden begegneten einander im Alter von 18 Jahren am 30. Januar 1774 auf einen Maskenball, wo sich der Graf einige Zeit mit Marie Antoinette unterhielt, bevor er merkte, dass er mit der Dauphine sprach. Sein erster offizieller Besuch in Versailles folgte noch im selben Jahr. Im Laufe der Zeit kehrte Fersen immer wieder zurück an den französischen Hof und durfte Marie Antoinette in ihren Rückzugsort – dem Petit Trianon – besuchen.

 

In den Wirren der französischen Revolution

Während die französische Königsfamilie ab 1789 in den Tuilerien lebte, besuchte Fersen insbesondere die Königin und organisierte mit ihr zusammen die Flucht nach Varennes. Auch nach der missglückten Flucht besuchte der Graf unter Gefahr für Leib und Leben Marie Antoinette. Um sich zu schützen schlich er sich in Verkleidung in das Gebäude.

Es ist durchaus möglich, dass spätestens während der Gefangenschaft in den Tuilerien die Beziehung der Zwei auch körperlich wurde. Auch hier finden sich nur Indizien. Besonders erschwerend für die Recherche ist die Schwärzung von Fersens in Französisch geschriebenen Tagebücher durch einen seiner Nachfahren. Es wurden einige Teile derart unkenntlich gemacht, dass sich nur vermuten lässt, was zensiert wurde. Eines dieser geschwärzten Fragmente könnten die drei kurzen französischen Worte für „dort geblieben“ bedeuten. Diese Worte schrieb der Graf in sein Tagebuch, wenn er die Nacht mit einer Frau verbracht hatte. An jener Stelle, die möglicherweise mit „dort geblieben“ markiert wurde, erwähnte Fersen keinen Besuch bei einer anderen Dame außer Marie Antoinette.

Das letzte Mal sahen sie sich am 14. Februar 1792. Fersen hatte der Königin zwar gesagt, dass er Frankreich verlassen würde, aber er blieb noch eine Woche versteckt bei einer Mätresse. So weit bekannt ist, erfuhr Marie Antoinette nichts von seinen verlängerten Aufenthalt. 

Während der Inhaftierung der Königin in der Conciergerie reiste der Graf von Fürstenhof zu Fürstenhof, um die Herrscher Europas dazu bewegen, Marie Antoinette zu retten, allerdings blieben die Bemühungen vergebens.

 

Das Leben nach ihren Tod

Nach der Hinrichtung der Königin soll der einstige Philantrop Fersen verbittert sein und es heißt, dass er eine Abneigung gegen das Volk entwickelt haben, das ihn seine geliebte Frau wegnahm. Tatsächlich heiratete er nie und starb schließlich am 20. Juni 1810, den 19. Jahrestag der Flucht von Varennes, als er von schwedischen Revolutionären zu Tode geprügelt wurde.

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