Eine Kaiserin zur Mutter

Eine Kaiserin zur Mutter

Vorwort

Vorab möchte ich betonen, dass sich dieser Artikel vor allem auf meinen Gedankengängen zu diesem Thema bezieht. Dass die Königin ein enges Verhältnis zu ihren Eltern und ihren ältesten Bruder hatte, soll dabei aber nicht außer Acht gelassen werden. Für mich jedoch war Maria Theresia mehr Kaiserin als Mutter, womit ich ihr aber nicht abstreite, dass sie ihre Kinder geliebt hat. Dennoch ist die späte Ausbildung Marie Antoinettes belegt und auch der Umgang zwischen Mutter und Tochter kann durch den erhaltenen Briefwechsel belegt werden. Wie die einzelnen Aspekte zu werten sind, sollte jeder selber entscheiden, dennoch möchte ich kurz meine Gedanken zu diesem Thema mitteilen.

 

Die Familie

Meines Erachtens hilft es, das Verhältnis von Marie Antoinette und ihrer Familie zu kennen, um die Königin besser zu verstehen. Vor allem ihre Mutter Maria Theresia war bis zu ihren Tod eine emotionale Stützung und politische Ratgeberin. Aber auch Marie Antoinettes ältester Bruder Joseph II. blieb selbst nach ihrer Heirat in Kontakt mit ihr und war stets bemüht, ihr zu helfen. Ferner war auch ihr Vater eine wichtige Bezugsperson für sie, welche sie jedoch im Alter von Zehn verlor.

 

Marie Antoinettes Erziehung

Als 15. Kind einer großen Familie ging Marie Antoinette, besonders aufgrund ihres Geschlechts, eher unter. Bis feststand, dass sie den französischen Thronfolger ehelicht, wurde ihr viel Freiheit gewährt. Sie hatte bis dato schlichtweg keine politische Relevanz und wurde dementsprechend erzieherisch „vernachlässigt“.

 

Vorbereitung auf das Leben in Frankreich

Als schließlich die Korrespondenz mit Louis XV. begann, richtete die Kaiserin größere Aufmerksamkeit auf die Erziehung der jungen Marie Antoinette. Erst jetzt sorgte Maria Theresia für eine tiefer gehende Ausbildung ihrer Tochter. Das leicht ablenkbare Mädchen erhielt sozusagen einen Crashkurs in französischer Sprache, deren Etikette und eine oberflächliche Vorbereitung auf ihre Aufgaben als Königin und Gattin.

Fast vollkommen unvorbereitet wurde Marie Antoinette mit 14 Jahren in ein fremdes Land geschickt, um eine friedliche Allianz mit dem damaligen Feind Frankreich zu festigen. Zur Orientierung gab Maria Theresia ihrer Tochter einen Zettel mit Ratschlägen mit, welchen sie sich jeden Monat zur Gemüte führen sollte. Da Marie Antoinette nicht gerne las, ist sie dementsprechend dieser Aufgabe nicht  nachgegangen.

 

Kontakt zwischen Mutter und Tochter

Dennoch, die Kaiserin versorgte Marie Antoinette immer mit Ratschlägen in ihren Briefen und durch dem am Versailler Hof lebenden Graf Mercy erhielt Maria Theresia heimliche Berichte zu dem Gebaren ihrer Tochter. Natürlich hielt das Marie Antoinette nicht von allen ab, jedoch wurden ihr als Dauphine noch einige Fauxpas nachgesehen.

Was ich persönlich mit Argwohn sehe, war die Ambivalenz der Kaiserin gegenüber ihren Anweisungen. Zum einen verlangte sie von Marie Antoinette sich als Gemahlin nicht in die politischen Angelegenheiten des Königs einzumischen, aber sobald es die Politik Maria Theresias betraf, drängte sie mitunter ihre Tochter dazu im Sinne Österreichs Einfluss zu üben. Ebenso verhält es sich mit ihrer Positionierung gegenüber Mätressen. Die Kaiserin vermittelte ihr eine Abneigung gegenüber Geliebten, als jedoch der Eklat mit Madame du Barry zu eskalieren drohte, sollte Marie Antoinette als junge Dauphine über deren Position hinweg sehen und mit ihr sprechen. Aus politischer Sicht vollkommen verständlich, aber dass es für Marie Antoinette eine gewisse Überwindung mit sich brachte, liegt auf der Hand.

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